Ich habe mich wieder einmal an meine Filmliste gewagt und kann einen weiteren Film abstreichen. Ichi the Killer ist neben Audition und dem Segment “Box” aus Three… Extremes meine dritte Begegnung mit Takashi Miike, welcher bei Hostel übrigens eine Cameo-Rolle geniessen darf.
Obwohl mir das asiatische Kino nicht ganz Fremd ist, verwirrt mich Miike mit seiner Erzählweise schon wieder. Dabei ist die Geschichte nicht allzu kompliziert:
Yakuza-Boss Anjo ist mit einigen tausend Yen verschwunden. Die Mitglieder seiner Gang mit deren vorübergehendem Leader Kakihara (Tadanobu Asano) machen sich auf die Suche. Ihnen kommt Ichi (Nao Omori) in die Quere, ein seit Kindheit an traumatischen Erlebnissen leidender Wahnsinniger, dessen Rachegelüste sich Jijii (Shinya Tsukamoto) zu Nutzen macht, diverse unliebsame Bandengestalten zu eliminieren.
Ichis Ziel ist es, sich für die Hänseleien, die ihm in der Schulzeit angetan worden sind, an seinen Widersachern zu rächen. Der bis zur extremen Selbstverstümmelung masochistisch veranlagte Kakihara hingegen sucht die Konfrontation mit dem mysteriösen Ichi, den bisher niemand zu Gesicht bekommen und anschliessend überlebt hat. In ihm - denkt Kakihara - findet er einen gebührenden Gegner, der seinen Fetisch eventuell befriedigen könnte.
Ich habe zu Beginn des Films keine Ahnung gehabt, auf was ich mich da eingelassen habe. Anfänglich ziemlich irritiert hatte ich das Gefühl, eine Comic-Verfilmung zu sehen. Allzu abstrakt waren die Handlungsabschnitte und vor allem die grafische Gewalt. Tatsächlich handelt es sich um die Verfilmung des gleichnamigen Mangas, was ich im Anschluss des Films im Interview mit Takashi Miike erfahren habe.
Gerne hätte ich die ungeschnittene Filmfassung gesehen, denn die mir vorliegende DVD war um satte 19 Minuten gekürzt! Nicht der krassen Gewaltszenen wegen, die im asiatischen Kino gerne ironisch exzessiv dargestellt werden, wäre mir die Uncut-Fassung lieber, sondern weil an mehreren Stellen die Handlung so einen Sprung erhält, dass der Zusammenhang nur zu erahnen ist. Schade, denn diese absurde Geschichte braucht die übertriebenen Szenen, um zu funktionieren.
Fazit: so gewalttätig und abstrakt Miikes Filme auch sind, für mich geht von seinen Arbeiten ein besonderer Reiz aus, dem ich mich schwer entziehen kann.